Natürlich kam Thilo Sarrazin in der Debatte am Donnerstagabend in der Volkshochschule vor. Aber der Bestsellerschreibers stand nicht im Mittelpunkt. Die Beiträge des Podiums skizzierten drei wesentliche Positionen in der Auseinandersetzung um die Integration von Migranten in Deutschland.
Integrationsforum der JU Aalen am 23.09.2010Eingeleitet wurde der vom JU-Vorsitzenden Lutz Kiesewetter moderierten Abend durch Michael Felgenhauer. Der Integrationsbeauftragte der Stadt Aalen vermittelte Basisdaten über den Zustand der Integration in Aalen und begründete damit auch seine Forderung, mehr für die Bildung von Kindern aus Migrantenfamilien zu tun.
Den Begriff Integration würde Bilal Dincel lieber nicht mehr hören. Der Unternehmer und Gemeinderat (SPD) in Schwäbisch Gmünd sieht das Thema seit Jahren auf der Tagesordnung, nicht erst seit den Sarrazin-Thesen, denen er Seriosität und Ernsthaftigkeit absprach. Dincel möchte Integration ersetzen durch „gutes Miteinander“, das es in der Gesellschaft anzustreben gelte und zwar unabhängig von ethnischer Herkunft, Religion oder sozialer Schicht.
Norbert Geis, Bundestagsabgeordneter (CSU) aus Aschaffenburg, trat vehement für die These ein, Deutschland brauche ein „Leitkultur“. Dabei berief sich der Rechtspolitiker auf den deutschen Politologen syrischer Herkunft, Bassam Tibi, der den Deutschen schon vor Jahren zur Wahrung ihrer Leitkultur geraten habe.
Im Verlauf der Diskussion beharrt Geis darauf, mit Leitkultur nichts anderes zu meinen als die Verpflichtung der Gesellschaft in allen ihren Teilen auf gemeinsame Regeln, auf die Verfassung, die in Deutschland freilich ein christlich-abendländisches Grundgesetz sei, getragen von einem einschlägigen Umfeld von Sitte und Moral. Er zeigte sich verständnisvoll für Ängste vor einer Überfremdung, die nach seiner Meinung in der Gesellschaft tatsächlich existierten.
Dr. Jürgen Wasella (VHS) bekannte sich zum „Multikulturalismus“. Das bedeute gegenseitige Anerkennung von kulturellen Unterschieden verschiedener gesellschaftliche Gruppen, Anerkennung von deren Gleichheit und Anerkennung eines „Kerns von gemeinsamen Grundwerten“, wie sie in der Verfassung und im Rechtssystem zum Ausdruck kommen. Es gehe um „Gemeinsamkeiten im Öffentlichen und Unterschiede im Privaten“. Die Fixierung einer Gesellschaft auf christliche Werte könne nicht funktionieren in einer in weiten Teilen nicht mehr christlichen Gesellschaft.
Die Junge Union will die Debatte in weiteren Integrationsforen fortsetzen.