„Bologna ist Schwachsinn“

Podiumsdiskussion der fünf politischen Jugendorganisationen aus dem Ostalbkreis im Kopernikus-Gymnasium

„Viele Jugendliche denken leider, dass es nichts bringt, sich politisch zu engagieren“, weiß Christian Tischatschke von den Jungen Liberalen. Dabei seien derzeit besonders Schüler und Studenten von politischen Entscheidungen betroffen. Bei der „Diskussion am Fischteich“ im Kopernikus-Gymnasium in Wasseralfingen stand das Thema Bildung ganz oben auf der Liste der fünf Jugendorganisationen aus dem Ostalbkreis.
Es diskutierten: v.l. Lutz Kiesewetter, Bennett Müller, Sebastian Walther, Jens Brandenburg, Christian Tichatschke, Özen Sarikurt Es diskutierten: v.l. Lutz Kiesewetter, Bennett Müller, Sebastian Walther, Jens Brandenburg, Christian Tichatschke, Özen Sarikurt
(Aalen) Rund 50 interessierte Jugendliche kamen am Donnerstagabend nach Wasseralfingen, um gemeinsam mit den Aalener Jugendorganisationen über das zentrale Thema Bildung zu diskutieren.

Beim Thema Dreigliedrigkeit des Schulsystems gingen die Meinungen der Vertreter weit auseinander. Während sich Lutz Kiesewetter von der Jungen Union ganz klar für das derzeitige Schulsystem aussprach, weil dadurch die Förderung von Stärken gegeben sei,war Özen Sarikurt, der die Jungen Sozialisten vertrat, der Meinung, dass die Trennung nach der 4. Klasse sinnlos sei. „Man kann Kinder nicht einfach in drei Klassen unterteilen“, fand auch Bennet Müller von der Grünen Jugend und fügte hinzu, dass man sich mit einer Hauptschulempfehlung doch als „Universalverlierer“ fühle.

Einigkeit herrschte derweil über die Werkrealschulen. Diese „dienen nur zur Rettung der Hauptschulen und sind eine oberflächliche Erfindung, die viel Geld kostet“, fasste Sebastian Walther von der Linksjugend zusammen.
Da mittlerweile zwölf Prozent der Abiturienten ihren Abschluss an Privatschulen machen, wurde auch dies zum Thema. „Wir wollen die Privatschulen nicht in den Dreck ziehen, aber man muss sich fragen, warum sie einen so großen Zulauf haben“, gab Bennet Müller zu denken. Erst wenn die staatlichen Schulen verbessert werden, könne man „Eliteschulen“ überflüssig machen.

Beim Thema „G8“ schlug Jens Brandenburg von den Jungen Liberalen einen Kompromiss vor: „Jedes Gymnasium sollte selbst entscheiden dürfen, ob man es acht oder neun Jahre bis zum Abitur besuchen muss.“
Als der „Bologna-Prozess“ thematisiert wurde, stellte sich Kiesewetter von der Jungen Union klar gegen seine „Mutterpartei“ CDU und bezeichnete die Umstellungen auf Bachelor und Master als „Schwachsinn“. Dafür erntete der 17-Jährige Schüler sogar Beifall von der linken Seite.

Alles andere als harmonisch ging es bei der anschließenden Zuschauerdiskussion über die Studentenproteste zu, die Kiesewetter als „sinnlose radikale Stimmungsmache“ bezeichnete. Dafür bekam er nicht nur von Sebastian Walther, der diese „sehr wichtig für unsere Demokratie“ hält, starken Gegenwind.

Erst am Ende herrschte wieder allgemeine Zustimmung, als Jens Brandenburg anmerkte, dass solche Diskussionen und die verschiedenen Jugendorganisationen lobenswert und wichtig seien und man ihnen gerne beitreten könne. „Wir sind keine Freaks, sondern ganz normale Jugendliche, die sich politisch engagieren und auch gerne mal zusammen feiern“, fügte er mit einem Augenzwinkern hinzu.