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07.12.2018

Aufmerksamkeit für den Landarzt

Versorgung im östlichen Kreisgebiet ist kritisch. Podiumsdiskussion der Jungen Union in Gmünd. Medizinische Versorgungszentren: Dr. Peter Högerle möchte externe Berater.

In den kommenden Jahren werden weitere Arztpraxen schließen – vor allem im ländlichen Raum. Nachfolger, das erfahren Besucher einer von der Jungen Union (JU) im Konferenzsaal der Stauferklinik veranstalteten Podiumsdiskussion, wird es nur vereinzelt geben.

Zu wenige Ärzte auf dem Land? Die Junge Union lädt zu dieser Frage Fachleute ein. Im Bild von links Reinhard Langer, Dr. Peter Högerle und Julian Beier. Foto: Hientzsch
Schwäbische Post - Im Gespräch mit dem Gmünder JU-Vorsitzenden Reinhard Langer waren Dr. Peter Högerle, Landarzt mit vielen Jahrzehnten Erfahrung, und Julian Beier, Vorsitzender des Bundesverbandes der Medizinstudierenden.

Dr. Peter Högerle kann aus eigener Erfahrung sprechen. „Siebeneinhalb Jahre habe ich nach einem Nachfolger für meine Praxis in Böbingen gesucht – ohne Erfolg“, sagt er und nennt Gründe. Einer davon ist die Verteilung der Mittel durch die Kassenärztliche Vereinigung. Überschreitet eine Arztpraxis eine bestimmte Zahl an Patienten, gibt es für die zusätzliche Arbeit kein Honorar. Junge Mediziner scheuten die Selbstständigkeit aus weiteren Gründen, auch wegen der hohen zeitlichen Belastung. Dazu, sagt Julian Beier, kommen Erfahrungen aus dem Studium. Studierende erlebten dort vor allem den Klinikbetrieb. „Sie haben die Aufstiegsmöglichkeiten vor Augen, sehen die Möglichkeiten, sich rasch räumlich neu orientieren zu können.“ Klinikärzte seien überall gesucht. Im Studium und der anschließenden Ausbildung spiele der Allgemeinarzt nur eine Nebenrolle. Auch die Tatsache, dass man drei Monate Praxiserfahrung in der Pflege brauche, aber nur einen Monat in einer Allgemeinarztpraxis, spreche für sich. Sie erfahren in der kurzen Zeit nicht, weshalb sich viele Allgemeinärzte für diesen Beruf entschieden haben. Peter Högerle: „Hausarzt ist einer der schönsten Berufe, die es gibt.“ Der Einsatz sei groß, aber die Freude – auch durch den Kontakt mit den Menschen – gleiche all das aus. Hausärzte begleiteten Patienten über einen langen Zeitraum, das berge Vorteile bei der Diagnose.

Können Anreize im Studium für eine bessere Versorgung im ländlichen Raum sorgen, fragt Reinhard Langer. „Das darf natürlich keiner Strafversetzung gleichen“, meint Peter Högerle. „Die Stellung des Landarztes muss aufgewertet werden.“ Julian Beier sieht in Stipendien durchaus einen Anreiz. In Sachsen werden Medizinstudierende mit 1000 Euro monatlich ab dem ersten Semester für den gesamten Zeitraum der Regelstudienzeit gefördert und können sich ganz in Ruhe auf ihr Studium konzentrieren. Mindestens sechs Jahre müssen sie später in einem unterversorgten Gebiet arbeiten. „Es ist aber schon ein Problem, mit 18 eine solche Entscheidung zu treffen, die sich erst elf Jahre später auswirkt“, sagt Beier.

Wie könnte die ärztliche Versorgung auf dem Land in Zukunft gesichert werden? Darüber wurde jetzt auch im Ostalbkreis auf Antrag der CDU im Verwaltungsrat der Kliniken beraten.

Sorge bereitet vor allem das östliche Kreisgebiet, in dem nicht nur Hausärzte, sondern auch Fachärzte fehlen. Die Rede ist deshalb von medizinischen Versorgungszentren. Dr. Peter Högerle sieht darin eine Möglichkeit, die man mit Bedacht angehen müsse. Die vom Kreis ins Spiel gebrachte Bündelung von Kompetenzen durch die Nähe zu den drei Kliniken sieht er kritisch.
Frage des Wettbewerbs

Er wünscht sich deshalb eine externe Beratung. Sonst bestehe die Gefahr eines unfairen Wettbewerbs. Ins System oben mehr reinzuwerfen und zu erwarten, dass unten mehr rauskommt, das funktioniere nicht, sagt Julian Beier. Publikumsfragen zeigen, wie problematisch die Versorgung an manchen Stellen ist. Vor allem die langen Wartezeiten auf einen Facharztbesuch seien nur schwer zu akzeptieren.

Ob die Online-Behandlung die Zukunft der medizinischen Versorgung ist? In speziellen Fällen könnte sie eine Unterstützung sein, meinen die Vertreter auf dem Podium. Den Arzt ersetzen könne sie nicht. Weil es oft unersetzlich sei, selbst ein Auge auf den Patienten zu werfen. Das Thema Medizinische Versorgungszentren werde sicher weiter verfolgt.

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